No. 77

Die Klausurenphase ist vorbei und der Stress fällt so langsam auch von mir ab, insofern hab ich beschlossen mich doch mal zurückzumelden und dies tue ich direkt mal mit zwei modischen Neuentdeckungen.

Wer so wie ich auch langsam keine Anker und maritimen Motive mehr auf shirts, bags und allem möglichen sehen kann, sollte mal über die Alternative vom berliner Trendlabel Muschi Kreuzberg nachdenken.

“Anker auf T-Shirts sind die beschissenste Idee seit der Erfindung der Familie. Aber wenn eine Spritze dran ist, ist das alles so edgy, dass sogar heroinunabhängige Vice-Redakteure Angst haben, den Scheiß zu tragen.
Wenn ihr also das System boxen wollt, holt euch das Teil.”

In diesem Sinne go for it! Beziehen könnt ihr das Teil über den Online Shop von Muschi Kreuzberg! Wenn ihr eh schon dort seid werft doch direkt auch noch einen Blick auf die Jutebeutel im Shop, wie zum Beispiel diesen mit dem genialen Wahlspruch der berliner Agentur Dojo!

Die zweite Entdeckung, die auch direkt in meinen Kleiderschrank wandert, ist dieser Oversize Scarf von Joozie Cotton dem Label des thailändischen Designers Yai. Er arbeitet ausschließlich mit Eco Baumwolle und fertigt die Einzelstücke, die auch schon au der Hong Kong Fashion Week zu sehen waren selbst. Beziehen könnt ihr die Kollektion über Etsy!

No. 76

Alte Zeiten.

 

Im anschlag vertrocknet [brachliegend]

Stehen stängel und blüten

Das bräunlich grüne wasser [undurchsichtig]

In der vase auf dem tisch

 

Schon langsam verbleichend [fleckig]

Sind die erinnerungen gepresst

Das angelaufene vitrinensilber [vergangen]

Hinter das glas der rahmen

 

Dokumentationen einer trennspur [flankierend]

Wurden die stunden zurückgelassen

Sauber gefaltete lebenszeichen [konserviert]

Beim betrachten vergessen zu werden.

No. 75

Suche.

rennen von tür zu tür

vorbei an starren blicken [sturr]

gerichtet auf den Asphalt

bloß nichts zu fixieren  [laufen]

keinen Blick erwiedern

starr nach vorn [zielgerichtet]

 

läuft der fluss durch die stadt

wasser schwappt über [ziellos]

springen über die pfützen

in denen sich spiegelnd [maßlos]

wände in die höhe wachsen

den weg blockieren [unvorsichtig]

 

auf dem vorsprung balancieren

gleichgewicht halten [bedacht]

die schritte geradeaus gelenkt

weite zu taxieren [unbestimmt]

den glauben an die worte heften

heimat erreicht haben [endlich]

No. 74

Gelb und rot und Braun wirbeln

die Blätter über Straßen und Plätze,

wehen von den Bäumen, überschlagen

sichund werden plattgetreten von den

hastigen Schritten um dem Wind

zu entfliehen, nachdem man

stundenlang mit Schal und Schwermut

durch die Stadt geirrt ist.

Letzte Sonnenstrahlen brechen

zaghaft durch die Wolkendecke

und lassen kleine Flecken der

Szenerie für einen kurzen Moment

aufleuchten. Lichter und Reklamen

trotzen der Dämmerung, die viel schneller

kommt, als man dachte,und hinterhereilt

um die Fliehenden einzuholen und die hastigen

Schritte einbettet in ein undefinierbares

Grau.

No. 73

„Ich wurde auf einem Berg nahe Jerusalem geboren.“

Jonathan Vardi, Sohn einer Künstlerin und eines Ingenieurs, stammt aus Tel Aviv, Israel und begann bereits mit 18 Jahren zunächst Film an der Tel Aviv University und später Regie an der Sam Spiegel Film and Television School in Jerusalem zu studieren. Schon während des Studiums produzierte er sein erstes Video für die kanadische Band Stars. Eine Kopie davon sandte er auch an deren Management und die Band war so begeistert, dass sie es als offizielles Video verwendeten. Dies war für Vardi der entscheidende Schritt. Diesem Demoband folgte noch eine weitere Zusammenarbeit mit Stars sowie Videos für viele israelische Musiker unter anderem auch Yael Naim, die ja in Europa recht große Popularität erlangt hat. Außerdem hat er auch weiterhin Demovideos produziert, so auch eins für Regina Spektors Track Somedays, durch das ich auf ihn aufmerksam geworden bin.

Vardis Arbeit ist eine Komposition aus Modellen, Illustrationen und Live-Aufnahmen, die er zu einzigartigen Videos zusammensetzt. Die Inspiration für diese fast lyrischen Arbeiten zieht er aus vielem.

So wird die eine Idee in dem Wunsch geboren eine neue Technik auszuprobieren, die Andere entsteht durch Träume oder Menschen, die ihn begeistern und interessieren oder auch Eindrücke, die er in seiner Umwelt sammelt, Farben und Gerüche und Bilder, die in seinem Kopf entstehen. Auch Kinderbücher und die Arbeiten anderer Künstler besonders aus den 1920er und 30er Jahren beeinflussen ihn.

„ I keep a diary with me and write down every single idea I have, no matter how small. I never know where even the most insignificant thought may take me.”

Mich hat selten etwas so berührt wie die Bilder, mit denen Jonathan Vardi Musik begleitet. Es sind Gesichter, die starr aber doch lebendig und ausdrucksstark in Zeichnungen platziert werden. Gesetzt in eine surrealen Landschaft mit herzförmigen Häusern, fahlgesichtigen Monden, melancholisch anmutenden Fabelwesen und dazwischen immer wieder der Mensch.

Prädikat: Seht es euch an und genießt!

No. 72

“A genuine New York oddity…”

Eine musikalische Dokumentation des Abstiegs Judy Garlands in ihren mit Alkohol und Drogen befeuerten Wahnsinn oder auch CHING CHONG SONG. Das sind Julie LaMendola und Dan Gower aus Brooklyn/NY, die uns mit singender Säge, Ukulele und Piano eine Mischung aus einer 20er Jahre Revue kombiniert mit Psychedelic- und Folk-Einflüssen präsentieren, die im einen Moment wie Cocorosie und im anderen wie Dresden Dolls klingt.

Julie LaMendola, die neben der Musik auch als Darstellerin bei der Off-Theater-Gruppe „The Nature Theater of Oklahoma“ beschäftigt ist, singt und spielt Ukulele und die singende Säge. Dan Gower studierte klassische Musik und steuert die zweite Stimme und das Klavier bei. Zusammen ergeben sie einen melancholisch düsteren, subversiv nachdenklichen Mix, wie man ihn nur selten auf die Ohren bekommt. Ein Aha-Moment sondergleichen, wie ich ihn zuletzt bei Joanna Newsom hatte und auch deren Musik kommt CHING CHONG SONG eigentlich bei genauerem Hinhören recht nah.

“Thoughtful music for unpopular adults. Imaginative music for popular dreamers.”

New Yorker Kuriosität mit Cabaret-Ästhetik sorgen für eine tragische Komik, die in kleinen Löchern wie auch auf den großen Bühnen zuhause ist, so auch in Brooklyn, wo sie zurzeit ihre Zelte aufgeschlagen haben. Einer Clubtour durch Amerika folgte eine Europatour mit 5 Stationen u.a. auch in Berlin im SO36. Mittlerweile haben sie es schon auf sechs Tourneen durch die Clubs und Hallen Europas und der restlichen Welt gebracht und zwei Alben veröffentlicht.

Prädikat: So was hört man nicht alle Tage, also keine Zeit verlieren und diese wunderbare Kuriosität genießen!

No. 71

Aus alt mach neu. FASHIONATION by Peek und Cloppenburg.

Zum hundertjährigen Bestehen der Düsseldorfer Modehausdynastie hat man sich nun entschlossen das doch etwas angestaubte Image mal gründlich aufzupolieren um sich auch wieder verstärkt ein jüngeres Publikum zu erschließen, das nach Mode sucht, die eben nicht unbedingt jeder Zweite trägt.

Die Antwort darauf ist FASHIONATION ein Shop-in-Shop Konzept, das ab sofort ein paar extravagantere Marken, darunter Costume National, Comme des Garcons Shirt, See by Chloe, Unconditional etc. anbietet, die sonst nicht so ohne Weiteres überall zu haben sind. Letzte Woche wurde dann mit viel Aufwand und ausgewählten Gästen aus Mode und Gesellschaft das “Worldclass Depatement” mit musikalischer Untermalung von SomethingALaMode, die auch schon für Karl Lagerfeld spielten, in der berliner Filiale in der Tauentzienstraße eröffnet.

Die Gäste, u.a. Franziska Knuppe, Luca Gadjus und Jessica Schwarz, erlebten einen Store, der in den ehemaligen Hinterhof des Hauses hineingebaut wurde. Spritzbetonwände, die in ca. 12 Metern Höhe enden, umgeben die unter Denkmalschutz stehende Häuserfassade und schaffen eine Mischung aus alt und neu, die zwar nicht unbedingt revolutionär ist, aber dafür stimmig.

Alles in allem muss man mal abwarten, wie sich das Konzept entwickelt, aber von der grundsätzlichen Idee her hat es Peek und Cloppenburg mal wieder geschafft auch einem immer anspruchsvoller werdenden Kundensegment eine Anlaufstation zu bieten.

Neben dem Store in Berlin gibt es seit gestern ganz zu meiner Freude auch eine FASHIONATION-Abteilung im P&C Haus in Stuttgart.